JohannvonAhnenEinen ganz besonderen Besuch erlebte die Blaumeisenklasse 3a am Ende dieser Woche: Herr Johann von Ahnen, 88 Jahre alt, kam als Zeitzeuge zu uns in die Schule. Er erzählte den Kindern von seiner Kindheit in den 1930 und 1940er Jahren, die so ganz anders war als das Aufwachsen heute.

Johann wuchs seit 1936 in unserem Nachbardörfchen Agathenburg auf der Geest auf. Er berichtete, dass es damals sehr einfache Verhältnisse gab. Ein Bett teilte er mit dem Bruder, es gab kein Telefon, kein Fernsehen. Viele Dinge, die für die Kinder heute selbstverständlich sind, kannte er als Kind nicht.

So hatte er bei seiner Einschulung keine bunte Schultüte mit Süßigkeiten und Geschenken – er bekam nur einen Lederranzen, ein Stück Kreide und eine Schiefertafel. Auch die Schule war ganz anders: Strenge Regeln bestimmten den Alltag, ein Klassenzimmer mit 42 Kindern, die sogar an der Fensterbank saßen und wer nicht gehorchte, bekam vom Lehrer sogar Schläge mit dem Stock und wurde an den Ohren gezogen – etwas was wir uns heute kaum mehr vorstellen können und was zum Glück heute auch verboten ist. Trotzdem sagt Johann heute, seine einfache Kindheit auf dem Dorf war eine schöne Zeit, mit glücklichen Erinnerungen an die Großmutter, das morgendliche Melken, vielen Freunden, Gesang und Fußballspiel.

Besonders bewegend waren seine Erinnerungen an die Zeit des Zweiten Weltkriegs. Wenn Fliegeralarm war, weil englische Bomber den Flugplatz Agathenburg bombardierten oder Richtung Hamburg flogen, musste er gemeinsam mit Mutter und zwei Geschwistern und den anderen Dorfbewohnern stundenlang im Bunker am Bahnhof ausharren. Für ein Kind war das sehr beängstigend und bedrückend.

Am schlimmsten war für Johann, dass er 9 Jahre ohne Vater aufwachsen musste. Gleich zu Beginn des Krieges wurde sein Vater eingezogen und kam erst 1948, mit 50kg, ohne Zähne, ohne Haare aus der Gefangenschaft in Russland zurück. Für den damals 12jährigen absolut schockierend. Ein Junge aus unserer Klasse meinte dazu spontan: „Wie schrecklich – ohne meinen Vater wäre ich verloren!“

Die Blaumeisen hörten sehr aufmerksam zu und stellten viele Fragen. Es wurde deutlich, wie wertvoll es ist, direkt von Menschen Erzählungen zu hören, die diese Zeit selbst erlebt haben. So konnten die Schülerinnen und Schüler erfahren, wie sehr sich das Leben und Lernen seit damals verändert hat.

Am Ende bedankten sich die Kinder mit einer Tafel Schokolade für diese sehr beeindruckenden Erzählungen bei Herrn von Ahnen.